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Probezeit

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Der Probeführerschein – Lenkberechtigung für Fahranfänger

Was ist die Probezeit?

In etwa 15% aller Verkehrsunfälle mit Personenschäden ist ein Fahranfänger – dh die Erteilung der Lenkberechtigung (LB) ist weniger als 2 Jahre her – verwickelt. Generell ist jeder dritte Fahranfänger binnen neun Monate nach Erteilung der LB in einen Unfall verwickelt.

Die Ursache hierfür ist zum einen natürlich im überproportional hohen Anteil junger Menschen in dieser Gruppe, mit all ihren Merkmalen (Selbstbehauptung, Risikobereitschaft, …), zu suchen. Zum anderen zeichnet sich der typische Fahranfänger aber generell durch Mängel in der Fähigkeit, Gefahren rechtzeitig zu erkennen, als auch in der Fähigkeit, in konkret auftretenden, gefährlichen Situationen  schnell, sicher & adäquat zu reagieren, aus. Die Ursachen dieser Mängel liegen wiederum einerseits in Ausbildungsdefiziten (der bloße Besitz einer LB macht einen noch zu keinem automobilen Gott des Straßenverkehrs), anderseits aber ganz klar im Fehlen von Erfahrung. Nicht umsonst heißt es, die ersten 10 000 km sind die gefährlichsten im Leben eines Verkehrsteilnehmers.

Fahranfänger sollen sich also am Beginn ihrer automobilen Karriere mit Bedacht im Verkehr bewegen und sich in Zurückhaltung üben. Während einer aufrechten Probezeit steht man unter besonderer Beobachtung der Behörde, Verstöße gegen verkehrsrechtliche Normen werden restriktiver geahndet.

Wer ist betroffen?

Wird erstmalig eine Lenkberechtigung (LB) einer Klasse erteilt wird, dh hatte jemand vorher keine in- oder ausländische LB der entsprechenden Klasse, unterliegt diese LB einer Probezeit. Dies gilt auch für LB, die im Ausland erteilt wurden, wenn die berechtigte Person binnen 2 Jahre nach Erteilung der LB ihren Wohnsitz nach Österreich verlegt hat.

Ausgenommen sind LB der Klassen AM („Moped“) und F („Traktor“) sowie solche, die in der Vergangenheit einmal erteilt waren, also zB auf Grund einer Befristung oder (häufiger) eines Entzugs erloschen sind.

Dauer der Probezeit

Die Probezeit erstreckt sich auf drei Jahre ab Erteilung LB, dh ab der bestandenen praktischen Prüfung; für L17 und die Klasse A1 dauert die Probezeit hingegen zumindest bis zum 21. Geburtstag.

Die Dauer der Probezeit wird am Führerschein gszl nicht vermerkt, eine allfällige Verlängerung hingegen schon (Code 110.01, 110.02, 110.03)

Folgen

Wer innerhalb der Probezeit einen schweren Verstoß (siehe unten) begeht, hat zusätzlich (neben den Konsequenzen aus dem Verstoß selbst) an einer Nachschulung teilzunehmen, die Probezeit wird um ein Jahr verlängert. Diese Verlängerung ist im Führerschein einzutragen, was eine Neuausstellung notwendig macht (samt dazugehörigen Kosten).

Wird während der 3. Verlängerung der Probezeit erneut ein schwerer Verstoß begangen, erfolgt eine weitere Verlängerung erst nach eingehender Prüfung durch die Behörde. Dazu erfolgen die Einholung eines amtsärztlichen Gutachtens sowie eine verkehrspsychologische Untersuchung.

Ein negativer Bescheid führt zum Entzug der Lenkberechtigung.

Was ist ein schwerer Verstoß?

Qualifizierte Übertretungen der StVO, namentlich

  • Fahrerflucht;
  • Fahren gegen die zulässige Fahrtrichtung;
  • Überholen unter gefährlichen Umständen;
  • Nichtbefolgen von gemäß § 52 lit. a Z 4a („Überholen verboten“) und Z 4c („Überholen für Lkw verboten“) kundgemachten Überholverboten;
  • Vorrangverletzung;
  • Überfahren von „Halt”-Zeichen bei geregelten Kreuzungen (insb Missachtung einer rote Ampel);
  • Fahren auf der falschen Richtungsfahrbahn auf Autobahnen („Geisterfahren“).

Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit

  • um mehr als 20 km/h (im Ortsgebiet);
  • um mehr als 40 km/h (auf allen anderen Straßen).

Alkohol am Steuer

Während der Probezeit gilt eine 0,1 Promillegrenze. Dh ein Kfz darf nur dann gelenkt werden, wenn folgender Alkoholgehalt nicht überschritten werden:

  • Blut: 0,1 g/l
  • Atemluft: 0,05 mg/l

Vor, während & zwischen einer Fahrt darf kein Alkohol konsumiert werden!

Bestimmte strafbare Handlungen nach dem StGB, uzw

  • Fahrlässige Tötung;
  • Fahrlässige Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen (dh insb unter Einfluss von Alkohol) ;
  • Fahrlässige Körperverletzung;

sofern sie beim Lenken eines Kfz begangen wurden.

Nachschulung – Dauer und Kosten

Die Nachschulung ist ein verkehrspsychologischer Kurs, in welchem die Teilnehmer auf die Gefahren, die ihre missbilligte Handlung in sich birgt, sensibilisiert werden sollen. Es handelt sich explizit nicht um ein stundenlanges Tadeln und Belehren, sondern vielmehr um eine gemeinsames Erfassen und Analysieren der Hinter- und Bewegründe der gegenständlichen Handlung.

Wie lange die Nachschulung dauert, hängt von der Art des Verstoßes (bzw ob ein Wiederholungsfall vorliegt) ab, vom Rahmen bewegen wir uns zwischen 4 und 5 Sitzungen à 3 Einheiten (zu je 50 Minuten).

Kostenpunkt: circa EUR 500,-

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